Wertediskussion

Wer soll das bezahlen?

Liebe, Glück, Freiheit kann man nicht kaufen. Aber warum versuchen wir es dann die ganze Zeit?

Wertvoll und unbezahlbar

Freiheit, Liebe, Treue: Was man nicht kaufen kann

Text: Christian Gottwalt | Paper art: Katrin Rodegast | Fotos: Ragnar Schmuck

Kürzlich beschloss die Regierung von Malta, Ausländern die Staatsbürgerschaft des Landes zum Kauf anzubieten, für 650.000 Euro. Politiker in Brüssel reagierten entsetzt, schließlich verkauft Malta als EU-Mitglied das Recht, sich in Europa niederzulassen, gleich mit. Der Vorgang ist weniger skandalös, als es scheint. Auch in den USA bekommen Ausländer, die 500.000 Dollar investieren und zehn Arbeitsplätze schaffen, die Greencard.

Die Verwandlung der maltesischen Staatsbürgerschaft von einem Recht in eine Handelsware ist ein Triumph der Marktwirtschaft. Der Philosoph Michael Sandel hat diesen Prozess zu seinem Thema gemacht. Die erste Frage, die er seinen Studenten in Harvard stellt: Ob sie es akzeptieren würden, wenn die Uni Studienplätze nicht nach Noten vergeben, sondern verkaufen würde? Seine Vorlesungen sind voll, im Internet ein Hit, sein Buch »Was man für Geld nicht kaufen kann« ein Bestseller. Seine Fragen nach den ethischen Grenzen des Marktes treffen einen Nerv.

Ökonomen betrachten die Lage etwas nüchterner, sie teilen die Waren der Welt in öffentliche und private Güter ein, sie analysieren, ob ein Gut knapp ist oder in beliebiger Menge vorhanden. Wenn Güter gehandelt werden, liegen dem Handel die Freiheit zugrunde sowie individuelle Entscheidungen, was ein Gut wert ist. Aber was ist mit der Freiheit? Ist sie ein Gut? Und wie verhält es sich mit den anderen Begriffen auf diesen Seiten hier, mit Liebe, Ruhm und Treue, mit Glaube, Glück und Pünktlichkeit? Haben Werte einen Wert? Mit Sicherheit! Kann man sich Tugenden oder Gefühle kaufen? Zumindest, wie damals Herr Rossi, ein klitzekleines Stück vom Glück? Vielleicht sollte man sich nach seinem Vorbild auf eine Reise begeben. Zum Beispiel nach Malta. Eine Insel, die 650.000 Euro Eintritt nimmt, muss unendlich schön sein.