Karriere

Hohe Tiere

Wer Karriere machen will, kann sich bei Giraffen, Steinböcken und Murmeltieren einiges abschauen. Hier kommen sieben Tiere, die es bis ganz oben geschafft haben – jeweils mit passendem Buchtipp

Text: Sandra Michel und Niclas Müller

Das Giraffen-Prinzip:

Haltung bewahren

Kaum ein Tier bewegt sich anmutiger in den obersten Etagen. Giraffenbullen werden sechs Meter groß, wirken aber keineswegs hochnäsig. Führungskräfte können viel vom Wiederkäuer lernen: etwa wie man auf Durst­strecken den Überblick behält und niemals in die Knie geht. Selbst dann nicht, wenn man etwas trinken will. Außerdem vorbildlich: Anders als Eulen sind Giraffen keine Wendehälse. Das größte landlebende Tier ist nach oben gekommen, ohne einzuknicken oder sich zu verbiegen. Es hat Rückgrat. Viel Rückgrat.

Jacqueline Groher erklärt in ihrem Buch »FührungsKRAFT. Erfolgreiche Führung be­ginnt mit Selbstführung«, was gute Chefs auszeichnet. Kernsatz: »Führung braucht Haltung«. Gabal, 24,90 Euro

Die Eisbär-Taktik:

Nie Weinen

Sie überleben hoch im Norden, jagen Robben und bewegen sich ohne Ausrutscher auf dickem wie dünnem Eis. Zweifellos zählen Eisbären zu den ganz hohen Tieren am Polarkreis. Sie machen vor, wie man es trotz widrigster Umstände an die Spitze der Nahrungskette schafft. Und dabei eine weiße Weste behält. An seine unterkühlte Umgebung hat sich das schwergewichtige Raubtier angepasst. Dank gutem Gehör und starkem Geruchssinn kann es unter dem Packeis Beute wittern. Der Eisbär ist ein Problemlösungsbär: Sein Umgang mit extremen Schwierigkeiten ist meisterhaft. Die aktuell größte Herausforderung: die Klimaerwärmung, die seinen Lebensraum schmelzen lässt. Selbst davon lässt er sich nicht unterkriegen. Eisbären müssen nie weinen.

Motivationstrainer Ilja Grzeskowitz beschreibt in seinem Ratgeber »Die Veränderungsformel. Aus Problemen Chancen machen«, wie man schwierige Situationen meistert. Ein zentraler Tipp: »Raus aus der Opfermentalität«. Gabal, 29,90 Euro

DAS Yak-VERFAHREN:

den gegner studieren

In der Hierarchie steht der Hausyak weit unter dem Menschen – scheinbar. Denn in Wirklichkeit sind die Tiere äußerst geschickt darin, andere für die eigenen Ziele arbeiten zu lassen. Weil die Rinderart dem Menschen Milch, Fleisch, Leder und Wolle liefert, versorgen und beschützen die Zweibeiner sie. Der Hausyak ist im Himalaya, in der Mongolei und im südlichen Sibirien verbreitet. Seine wild lebenden Brüder sind dagegen fast ausgestorben. Für die Karriere lässt sich daraus lernen: Um im rauen Klima der Höhenlagen zu bestehen, sind einflussreiche Förderer von Vorteil. Der Hausyak hat es mit seiner brillanten Strategie des Nützlich-Seins geschafft, unverzichtbar zu werden. Er hat den Menschen quasi vor seinen Karren gespannt. Und der hat es noch nicht einmal gemerkt.

Kishor Sridhar schildert in seinem Buch »Wie sie andere dazu bringen, das zu tun, was sie wollen« interessante Strategien, um beruflich voranzukommen. Eine davon: Identifizieren Sie das Ziel Ihres Gegenübers – und nutzen es für sich. Redline, 17,99 Euro

Die Leoparden-Formel:

Auf Samtpfoten zum Erfolg

Schneeleoparden bewegen sich fast lautlos durch die zentralasiatischen Gebirge. Im Himalaja und Hindukusch beispielsweise schleichen die Großkatzen in Höhenlagen bis zu 6000 Meter herum. Sie jagen Blauschafe, Steinböcke, Murmeltiere und Pfeifhasen – allesamt keine Tiere der Ebene, sondern durchaus erprobtes Spitzenpersonal. Wie es dem Schneeleoparden gelingt, diese Hochkaräter auszuschalten, daraus lässt sich Wertvolles für das Berufsleben ableiten.
Das Erfolgsrezept: keine unnötigen Geräusche machen. Der Schneeleopard ist kleiner und leichter als ein durchschnittlicher Leopard – und dadurch noch geschmeidiger. Im hochalpinen Gelände ist es meist still. Ein Raubtier, das dort als Polterer aufträte, hätte keine Chance.

Doris Märtin erklärt in »Leise gewinnt. So verschaffen sich Introvertierte Gehör«, wie sich still und fast heimlich Karriere machen lässt. Campus, 19,99 Euro

Der Murmeltier-trick:

AuszeitEn nehmen

Der Spitzensport hat vom Murmeltier gelernt, die Wirtschaft noch nicht. Ob als Selbstständiger oder Ange­stellter – jeder wäre im Beruf effektiver und erfolgreicher, wenn er dem natürlichen Zyklus von Anspannung und Entspannung folgen würde. Das Alpenmurmeltier macht es vor. Es hat das Prinzip vom Wechsel zwischen Leistung und Erholung perfektioniert. Und kann dadurch selbst am Rande von Gletschern überleben – weil es von Oktober bis März einfach schläft. Es überwindet so die Zeit, in der es nicht genug zu fressen findet. Nun sollten ehrgeizige Karrieristen nicht gleich monatelang die Arbeit ruhen lassen und träumen. Aber eine Kaffeepause zwischen zwei Kundenterminen wäre für die meisten ein guter Anfang.

Peter Solc propagiert »Die Time-Out-Taktik«. In seinem Buch schildert der Mentalcoach, wie man effektiver regenerieren und dadurch leistungsfähiger werden kann. Humboldt, 19,99 Euro

Das Steinbock-System:

Leichtfüssig Bleiben

Der Alpensteinbock bringt es ohne Karriereleiter oder andere Aufstiegshilfen weit nach oben. Er lebt jenseits der Baumgrenze in Höhen von mehr als 3500 Metern. Männliche Böcke wiegen bis zu 110 Kilogramm. Dennoch bevorzugen sie steiles und felsiges Gelände, das für andere Lebewesen ähnlicher Größe unzugänglich ist. Sie halten sich dabei am liebsten an schneefreien Südhängen auf. Für den beruflichen Erfolg lässt sich daraus lernen: Machen Sie es sich nicht unnötig schwer. Aber auch: Meiden Sie ausgetretene Pfade. Der Steinbock führt seine Sprünge äußerst geschickt aus, selbst in zerklüftetem Gelände. Bei Hindernissen reagiert er nicht bockig. Denn er weiß: Man kommt auch mit kleinen Schritten weiter.

Ulrike Bergmann schildert in ihrem Buch »Mit Leichtigkeit zum Ziel. Mutig dem eigenen Weg folgen«, wie sich mit der richtigen Einstellung fast jede Hürde überwinden lässt. C.H.Beck, 6,90 Euro

Das Geier-Wagnis:

Nach oben ausbrechen

Der Sperbergeier ist kein Sympathieträger. Sein Job: Er hält in Afrika nach schwachen Tieren Ausschau. Sind sie verendet, macht er sich über ihre Kadaver her. Da eine Karriere als Aasfresser selbst im Raubtierkapitalismus kaum als erstrebenswert gilt, betrachten wir eine andere Eigenschaft des Sperbergeiers: Er kann sich weit über seine niedere Tätigkeit erheben. Ein Exemplar erreichte am 29. November 1973 exakt 11.274 Meter – der höchstfliegende Vogel der Welt. Tragisch: Man weiß das so genau, weil er sein Ende im Triebwerk eines Verkehrsflugzeugs fand. Außer für ihn verlief die Begegnung glimpflich. Dennoch ist der Sperbergeier-Ansatz richtig: Such dir was Neues, wenn dir deine Arbeit stinkt.

Reinhard K. Sprenger beschreibt in seinem Ratgeber »Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit«, wie man durch einen Jobwechsel glücklich werden kann. Campus, 22 Euro