Schwerpunkt Demenz

KONFETTI IM KOPF

Demenz ist tragisch. Aber nicht nur. Zehn Porträts von Betroffenen

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»Der Demenz den Schrecken nehmen«

PORTRÄTS

KONFETTI IM KOPF

TEXT: Silja Schriever | FOTOS: Michael Hagedorn

Liebe, Freude, Flirts. Das bewegt auch demente Menschen. Eigentlich klar. Doch wenn von Demenz die Rede ist, haben die Meisten Bilder von verwirrten, hilflosen Senioren vor Augen. Die Krankheit macht Angst. Michael Hagedorn, Fotograf und einer der Initiatoren des Demenz-Projekts »Konfetti im Kopf«, will das verändern. »Wir müssen einfach nur die Augen öffnen – und richtig hinsehen.« Damit das Schreckgespenst seine Macht verliert. »Auch in einer Demenz-WG wird mitunter viel gelacht, gesungen oder getanzt.« Hagedorn begann 2005, demenzkranke Menschen zu fotografieren, das Thema wurde zu seiner Lebensaufgabe. Für »1890« hat er seine schönsten und bewegendsten Aufnahmen ausgesucht. Die einfühlsamen Bilder zeigen: Das Leben Demenzkranker kann viel bunter und lebensfroher sein, als wir bisher dachten.

DER TEST

WENN UHREN NICHT MEHR RICHTIG TICKEN

TEXT: Christian Gottwalt

Zeichnen sie eine Uhr, auf der es zehn nach elf ist! Kein Problem. Oder doch? »Ein Ziffernblatt zu zeichnen, erfordert viele verschiedene Fähigkeiten«, sagt Kenneth Schulmann, der den Uhrentest 1986 als Erster beschrieben und erforscht hat. Seither gilt die Uhr als eine Art Lackmustest auf Alzheimer. Der Proband malt - und der Arzt ist im Bilde. Ausreden und Verschleierungstaktiken des Patienten sind zwecklos. Wiederholt der Arzt den Test, kann er sehen, wie schnell sich der Geisteszustand verschlechtert. Nach dem Test sind die Angehörigen oft schockiert, weil ihnen eine einzige Zeichnung das ganze Ausmaß des Problems vor Augen führt. Die Uhr zeigt unmissverständlich, was die Stunde geschlagen hat.