Windsport

Der himmlische Kick

Vom klassischen Windsurfen übers Eissegeln bis zum Buggy-Kiten. Wenn es darum geht, die Kraft des Windes in Freude umzuwandeln, sind Windsportler erfinderisch. Viele gehen dabei an ihre Grenzen — manche auch drüber hinaus.

Slideshow

Sport in allen Windrichtungen

Es gibt viele Arten, sich den himmlischen Kick zu holen. Das Spektrum reicht von klassisch auf dem Segelboot über bodenständig im Strandsegler bis ein wenig abgehoben im Paraglider. Mal mehr, mal weniger extrem – aber immer äußerst schön anzusehen.

Auf einen Blick

Wo Windsportler Feuchte Augen kriegen

Weht der Wind ins Gesicht, beginnen die Augen zu tränen. An manchen Orten in der Welt mischen sich bei Windsportlern noch Freudentränen darunter – weil die Aussicht fantastisch, das Wasser besonders türkis, der Wind verlässlich und die Atmosphäre
einzigartig ist. Die Rede ist von Orten wie diesen:

      Interview

      Freizeitforscher Reinhardt: Da liegt was in der Luft

      Warum setzen sich Menschen in ihrer Freizeit den Naturgewalten aus? Freizeitforscher Ulrich Reinhardt gibt Antworten.

       

      Freizeitforscher Prof. Dr. Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, erklärt, wie sich das Freizeitverhalten der Deutschen verändert hat und warum der Wunsch nach Selbstdarstellung zunimmt.

      Was suchen Menschen, die in ihrer Freizeit im wörtlichen oder übertragenen Sinne hart am Wind unterwegs sind?

      Der Hauptgrund ist sicherlich nicht überraschend: Die meisten wollen Spaß. Zusätzlich folgen dann aber meistens auch noch andere Motive. So ist ein Teil der Deutschen auf der Flucht vor der Langeweile des Alltags und sucht den Kick. Bei anderen ist es mehr eine Probier- und Experimentierfreude oder die Suche nach einem Glücksgefühl bei Grenzerlebnissen. Nachgeordnet sind Motive – wie beim (Wett-)Kampf mit den Naturgewalten –, die darauf zielen, seine eigenen Ängsten zu bewältigen. Solch eine Motivation gilt eher für die echten Extremsportler, die mehr als Fun- und Trendsportarten wie Paragliding und Windsurfen ausüben. Beispielhaft sind hier Freeclimbing und Tiefseetauchen ohne Sauerstoffflaschen zu nennen, bei denen durchaus auch einmal unkalkulierbare Risiken eingegangen werden.

      Ein Teil der Deutschen ist auf der Flucht vor der Langeweile des Alltags und sucht den Kick.

      Es wurde ja zu allen Zeiten gerne über die draufgängerische Jugend geschimpft. Reden wir erst mal über die positive Seite dieses Risikokurses.

      Gerne. Wenn jemand sich kundige Anleitung von Trainern und Profis geben lässt und einen Risikosport wirklich gut lernt, dann prägt er über die Zeit auch ein geschärftes Risikobewusstsein aus. Am Ende wird er – fast schon zwangsläufig – ein besserer Risikomanager sein als jemand, der diese Erfahrungen nicht gemacht hat. Problematisch wird es meistens nur, wenn Untrainierte – etwa im Urlaub – plötzlich Hals über Kopf irgendwelche Sachen ausprobieren, die sie nie geübt haben. Wer es dagegen verantwortungsbewusst angeht, hat die Chance sich selber auszutesten und besser kennenzulernen.

      Wenn jemand einen Risikosport gut lernt, prägt er auch ein geschärftes Risikobewusstsein aus.

      Ist die Bereitschaft, in der Freizeit Risiken einzugehen, in den vergangenen Jahren größer geworden?

      Ja, und das sicherlich schon alleine durch die mediale Inszenierung. Dabei ist gerade bei der Jugend auch ein zunehmender Wunsch nach Selbstdarstellung zu beobachten. Immer mehr Menschen veröffentlichen Fotos und Filme von ihren Freizeitsport-Kunststücken in sozialen Netzwerken und legen dann Wert auf eine persönliche Bestätigung durch Like-Buttons. Sicher führt dieses auch manchmal zu einer Spirale, besonders beeindruckende, manchmal halsbrecherische Aktionen auszuprobieren und vorzuführen. Man muss ja nur auf Youtube die entsprechende Sportart und das Wort „Unfälle“ eingeben, um mal zu sehen, was die Kids so alles machen. Dabei erstaunt es mich immer wieder, dass die Betroffenen dieses alles freiwillig hochladen.

      Ein weiterer Faktor sind die vielen neu entstandenen Sportarten, die einem überhaupt die Möglichkeit geben, an seine Grenzen zu gehen. In den 1960er Jahren gab es etwa 30 Sportarten, die man institutionell ausüben konnte, heute sind es über 350 – Tendenz steigend. Und alles, was neu ist, wollen viele dann auch einmal ausprobieren.

      Mehr von Männern oder von Frauen? Sind Männer im Sport eigentlich wirklich risikobereiter?

      Oftmals schon. Allerdings sind bei manchen Trendsportarten Frauen dafür aktiver. Und Frauen kalkulieren das Risiko besser und neigen nicht so häufig zu testosterongesteuertem Ausprobieren um jeden Preis.

      Was sind sonst noch Faktoren, die die Risikobereitschaft von Menschen in der Freizeit ausmachen?

      Natürlich sind große Unterschiede beim Alter nachzuweisen. Die Jugend ist risikoaffiner als der Durchschnittsbürger. Sie haben noch nicht so viele negative Erfahrungen gemacht und bringen zudem auch einfach bessere körperliche Voraussetzungen mit als z.B. ein 50-Jähriger. Daneben machen Bildung und Job eine Menge aus: Wer die ganze Woche am Schreibtisch sitzt, hat eher das Bedürfnis nach einem körperlichen Kick am Wochenende, als jemand, der unter der Woche körperlich tätig ist. Aber auch das Einkommen spielt eine Rolle: Viele Fun- und Risikosportarten, wie River-Rafting, Freeclimbing oder Fallschirmspringen, sind nicht für jede Einkommensgruppe erschwinglich.

      Haben Sie es selbst schon mal ausprobiert?

      Funsportarten wie River-Rafting oder Mountainbiking ja, ansonsten tauche ich gerne und klettere, allerdings immer gesichert am Seil. Dieses reicht mir als Flow-Erlebnis völlig aus. Zudem habe ich eine Familie und bin damit nicht nur für mich selbst verantwortlich.

      Heute gibt es einen Wunsch nach Selbstdarstellung. Das führt zu einer Spirale, besonders halsbrecherische Aktionen vorzuführen.