Kunst-Restaurierung

Operation große Meister

Kunst kann eine kluge Geldanlage sein. Sammler und Allianz achten deshalb auf den Werterhalt der teuren Stücke. Und brauchen dabei oftmals Hilfe von Restauratoren wie Anett Quast.

Reportage

Andy Warhol unterm Messer

Kommt ein Picasso, Chagall oder Warhol zu Schaden, kann das dessen Wert erheblich mindern. Dann muss mit ruhiger Hand das Skalpell geführt und repariert werden. Besuch einer Restauratorin, die keine Ehrfurcht vor großen Namen hat.

Der Christo war im Eimer. Gerade erst erstanden, ging bei seiner Anlieferung alles schief. Die Hausangestellten hatten den Schatz ausgepackt – aber leider, klagte der neue Besitzer, dabei auch vor der Verpackungskunst von Christo nicht haltgemacht. Sie landete ebenfalls im Müll. "Holen Sie alles aus der Tonne", versuchte Anett Quast den Kunstliebhaber zu trösten, "ich hol’ es dann ab." Es war noch alles da. Anhand von Fotos stellte Anett Quast den Urzustand des Sammlerstücks wieder her. Es dauerte drei Monate. Solche Rettungsaktionen, sagt Anett Quast, erfordern eine künstlerische Begabung und viel Feingefühl. "Sich zurückzunehmen ist auch eine Kunst", sagt die Restauratorin, "denn wenn ich einen Finger rekonstruieren soll, muss es mir egal sein, ob mir das Objekt gefällt oder nicht."

Die Frau mit den sensiblen Händen studierte zusätzlich Kunstgeschichte und klassische Archäologie. Und seit sie an wertvollen Gemälden, Skulpturen und altem chinesischem Porzellan Notoperationen durchführt, weiß sie, dass auch die teuersten Gegenstände vor den Kapriolen des Alltags nicht verschont werden. Manchmal sind es Kinder, die mit Filzstift unerwünschte Verschönerungsarbeiten an Gemälden vornehmen, manchmal reißt die Putzfrau mit dem Besenstiel ein Loch in die Leinwand, manches geht beim Transport zu Bruch, leidet unter Schimmel, Brand- und Wasserschäden, Witterungseinflüssen oder an Alterserscheinungen. Dann beginnt das Teamwork zwischen Kunde, Versicherern wie der Allianz und Restauratoren wie Anett Quast. Eine Sache tiefen Vertrauens. Quast: "Unsere Kunden erwarten absolute Diskretion."

 

Sich zurückzunehmen ist auch eine Kunst. Mir muss egal sein, ob mir das Objekt gefällt oder nicht.

Zielvorgabe Werterhalt
Atelier Schoeller, München: Die Räume sind gut gesichert, wohl-temperiert und mit der passenden Luftfeuchtigkeit ausgestattet. Zehn Angestellte nehmen sich hier jährlich allein von Privatkunden rund 200 Objekte vor, deren Wert zum Teil in die Millionen geht. Es herrscht eine Werkstattatmosphäre der gehobenen Art. Mikroskop und Lötkolben stehen für die exakte Reparatur von Leinwänden parat. Mit Skalpellen, wie sie sonst nur Chirurgen benutzen, kämpfen die Experten gegen abblätternde Farbe und trübe Schutzschichten. Im Farbenschrank stehen unendlich viele Töpfe mit Pulver in allen Farben, die entsprechenden Bindemittel zum Anrühren wie Leim oder Harz, Öl- und Aquarellfarben, Pinsel. Für jede (Kunst-)Epoche gibt es hier die richtige Lösung: Sämtliche durchgeführten Arbeiten und die verwendeten Materialien werden dokumentiert. "Denn bei allem, was wir tun", sagt Anett Quast, "geht es in erster Linie um den Werterhalt."

Kunst für 40 Mrd. Euro
Kunst und Kohle sind engverbunden, weiß Georg Freiherr von Gumppenberg. Als Kunstsachverständiger ist der Prokurist seit 27 Jahren bei der Allianz im Geschäft. Hinter der Lust auf Kunst, sagt er, stehe bei vielen Kunden der Wunsch nach "Diversifizierung des Portfolios mit großer Werthaltigkeit". Dass die Werterhaltung im Schadenfall an erster Stelle steht, versteht sich von selbst. Die Allianz Art Privat, mit der sich neben teurer Kunst auch der Hausrat bis in eine dreistellige Euro-Millionenhöhe versichern lässt, mag zwar nichts für jeden sein, aber dennoch ein lohnendes Geschäft. Auf rund 40 Milliarden Euro schätzt von Gumppenberg den weltweiten Kunstmarkt. 16 eigene Kunsthistoriker arbeiten für die Allianz, um die sensiblen Klienten im schlimmsten Fall mit einer reibungslosen Schadenbearbeitung und einer perfekten Restaurierung zu erfreuen. Aber von Gumppenberg weiß auch: "Nichts ist für die Ewigkeit gemacht."

Keine Angst vor großen Namen
Anett Quast arbeitet dennoch mit Hingabe gegen die Zeit – zum Beispiel an einer altmeisterlichen Tafel von 1480. "Aus dieser Zeit findet man kein unberührtes Bild mehr" sagt sie. Soll heißen: An diesem Objekt wurde schon früher an der Werterhaltung gearbeitet. Auch Anett Quast weiß, dass sie nicht die Letzte sein wird, die sich an diesem Bild zu schaffen macht. Deshalb arbeitet sie gern mit Aquarellfarben. "Was wir tun, muss reversibel sein", sagt sie, "denn Restaurierungsarbeiten altern anders als das Kunstwerk." Kunden folgen auch oft ihrem Rat, ein Bild besser woanders aufzuhängen und es nicht im Keller oder auf dem Dachboden aufzubewahren. "Präventive Restaurierung", nennt sie das. Aber wenn dennoch wieder ein Picasso, ein Chagall oder ein Warhol auf ihrem OP-Tisch landet, wird sie mit ruhiger Hand das Skalpell ansetzen. Namen spielen dann keine Rolle mehr. Sie sagt: "Vor einem Objekt darf man keine Angst haben."

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Video-Porträt

Kunst-Restauratorin Anett Quast

Slideshow

Die Rettung eines Brandopfers